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Schockanruf und Enkeltrick — so schuetzen Sie sich vor den haeufigsten Telefonbetrugsmaschen

Senioren10.04.20264 min

Der klassische Enkeltrick hat sich weiterentwickelt: Schockanrufe und die WhatsApp-Masche «Hallo Mama» verursachen in der Schweiz jaehrlich Millionenschaeden. Allein 2023 wurden ueber 11,5 Millionen Franken Schaden dokumentiert. Wir erklaeren, wie diese Betrugsmaschen funktionieren und wie Sie sich wirksam schuetzen.

Es ist ein Donnerstagmorgen um halb zehn. Das Telefon klingelt. Am anderen Ende meldet sich jemand als Polizeibeamter. Er spricht ruhig, aber bestimmt: Ihr Sohn habe einen schweren Verkehrsunfall verursacht. Eine Person sei gestorben. Im Hintergrund hoeren Sie jemanden schluchzen. Der Beamte erklaert, dass eine Kaution bezahlt werden muesse, sonst komme Ihr Sohn ins Gefaengnis. Sie duerfen nicht auflegen.

Was sich wie ein Albtraum liest, ist Alltag in der Schweiz. Der sogenannte Schockanruf ist zur haeufigsten Betrugsmasche des Landes geworden. Zusammen mit dem klassischen Enkeltrick und der WhatsApp-Variante «Hallo Mama, mein Handy ist kaputt» verursachen diese Maschen Schaeden in Millionenhoehe — und richten bei den Opfern oft weit mehr als nur finanziellen Schaden an.

Die Zahlen sind alarmierend

Laut dem Bundesamt fuer Cybersicherheit (BACS) wurden allein 2024 rund 22'000 Meldungen zu gefaelschten Behoerdenanrufen registriert — dreimal so viele wie im Vorjahr. Auch 2025 blieb diese Kategorie mit rund 17'000 Meldungen die groesste Einzelkategorie aller Cybervorfaelle. Die dokumentierten Schaeden beliefen sich 2023 gemaess Fedpol auf ueber 11,5 Millionen Franken — und das sind nur die gemeldeten Faelle.

Eine Studie von Pro Senectute und der Universitaet Lausanne schaetzt, dass ueber fuenf Jahre hinweg rund 285'000 Schockanruf-Versuche und 196'000 Enkeltrick-Versuche auf aeltere Menschen in der Schweiz veruebt wurden. Rund 24'000 Personen fielen auf einen Schockanruf herein, weitere 12'000 auf den Enkeltrick. Die Dunkelziffer duerfte noch deutlich hoeher liegen: 54 Prozent der Opfer behalten das Erlebte aus Scham fuer sich.

So funktioniert der Schockanruf

Beim Schockanruf geben sich Kriminelle als Polizisten, Staatsanwaelte oder Aerzte aus. Sie behaupten, ein Familienmitglied habe einen toedlichen Unfall verursacht oder liege schwer verletzt im Spital. Im Hintergrund wird haeufig eine weinende Stimme eingespielt, um den Schock zu verstaerken. Das Opfer wird unter enormen emotionalen Druck gesetzt und aufgefordert, sofort Bargeld oder Wertsachen als Kaution bereitzustellen.

Zentral fuer den Erfolg dieser Masche ist die Anweisung, nicht aufzulegen und mit niemandem zu sprechen. Ein Kurier — der sogenannte «Abholer» — wird anschliessend zur Wohnung des Opfers geschickt, um das Geld persoenlich abzuholen. In einer Variante warnen die falschen Polizisten vor Einbrechern in der Nachbarschaft und bieten an, Wertsachen «sicher zu verwahren».

Die Callcenter hinter diesen Anrufen befinden sich haeufig im Ausland — in Polen, Albanien, Bosnien, im Kosovo oder im Libanon. Im Mai 2025 wurde in Bern erstmals ein Drahtzieher verurteilt: 36 Monate Freiheitsstrafe, 14 Opfer, das aelteste 92 Jahre alt.

Die WhatsApp-Masche: «Hallo Mama, mein Handy ist kaputt»

Neben dem Telefonanruf hat sich eine weitere Variante etabliert, die vollstaendig digital funktioniert. Eine SMS oder WhatsApp-Nachricht lautet: «Hallo Mama (oder Papa), mein Handy ist kaputtgegangen. Das hier ist meine neue Nummer.» Das Gespraech verlagert sich auf WhatsApp, wo die Betrueger ueber Tage hinweg Vertrauen aufbauen — bis sie behaupten, ihr Online-Banking funktioniere nicht und sie dringend Geld brauchen.

Das Geld wird per Echtzeitueberweisungen transferiert, was eine Rueckholung nahezu unmoeglich macht. Es fliesst ueber sogenannte «Finanzagenten» — meist junge Menschen, die ueber soziale Medien als Geldkuriere angeworben werden. In Koeln wurden im Februar 2025 zwoelf Verdaechtige unter 20 Jahren verhaftet. Sie hatten ueber 360'000 «Hallo Mama»-SMS verschickt und mehr als 480'000 Euro erbeutet — mit einer SIM-Farm, die im Darknet weniger als 2'000 Euro gekostet hatte.

Warum funktionieren diese Maschen so gut?

Die Taeter nutzen gezielt die staerkste menschliche Emotion: die Angst um einen geliebten Menschen. In einem Moment des Schocks schaltet das rationale Denken aus. Dazu kommt die Autoritaet der falschen Beamtenrolle — viele Menschen vertrauen jemandem, der sich als Polizist vorstellt, instinktiv. Die Anweisung, nicht aufzulegen und mit niemandem zu sprechen, isoliert die Opfer genau in dem Moment, in dem sie am verletzlichsten sind.

So schuetzen Sie sich — die wichtigsten Regeln

Die Schweizerische Kriminalpraevention (SKP) bringt es auf eine einfache Formel: Schock plus Geldforderung gleich Betrug. Wenn Sie einen Anruf erhalten, der Sie emotional aufwuehlt und gleichzeitig eine Geldzahlung verlangt, handelt es sich immer um einen Betrugsversuch. Die echte Polizei ruft niemals von der Nummer 117 an und verlangt niemals Bargeld, Wertsachen oder Zugang zu Ihrem Computer.

Legen Sie sofort auf. Rufen Sie anschliessend das betroffene Familienmitglied unter der Ihnen bekannten Nummer an — nicht unter einer Nummer, die Ihnen der Anrufer nennt. Ueberweisen Sie niemals Geld aufgrund einer SMS oder WhatsApp-Nachricht von einer unbekannten Nummer. Und aendern Sie Ihren Telefonbucheintrag: Kuerzen Sie Ihren Vornamen ab, zum Beispiel von «Adelheid» auf «A.». So machen Sie es den Taetern schwerer, gezielt aeltere Personen auszuwaehlen.

Was tun, wenn es passiert ist?

Wenn Sie Opfer geworden sind, schaemen Sie sich nicht. Es kann jedem passieren — unabhaengig von Intelligenz oder Bildung. Brechen Sie sofort den Kontakt zum Taeter ab und kontaktieren Sie Ihre Bank, um moegliche Ueberweisungen zu stoppen. Sichern Sie alle Beweismittel: Nachrichten, Anrufprotokolle, Kontoauszuege. Erstatten Sie Anzeige bei der Kantonspolizei — das ist kostenlos und hilft, die Taeter zu identifizieren.

Melden Sie den Vorfall auch dem BACS unter report.ncsc.admin.ch. Und sprechen Sie darueber — mit Familie, Freunden, Nachbarn. Denn Schweigen schuetzt nur die Betrueger. Jede Meldung, jedes offene Gespraech hilft, andere vor derselben Falle zu bewahren.

Hilfe und Kontakte

Polizeinotruf: 117 — Cybervorfaelle melden: report.ncsc.admin.ch — Phishing-Mails weiterleiten: reports@antiphishing.ch — Betrugsplattformen pruefen: cybercrimepolice.ch — Opferhilfe: opferhilfe-schweiz.ch

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